tell


Jede Art der Kommunikation über elektronische Medien hinterlässt heutzutage ihre Spuren auf irgendwelchen Server-Systemen. Der automatisierten Überwachung und Kontrolle großer Bevölkerungsschichten ist damit die Tür geöffnet. Freiheit und Kommunikation schließen sich in letzer Konsequenz aus. Wie könnte die Welt aussehen, wenn sich die Menschen für die Freiheit entscheiden und fast alle elektronischen Kommunikationsformen abgeschafft sind? Das tell-Projekt mischt Film und Theater um dieser Frage zwischen Science und Fiction nachzugehen.

Trailer des tell-Projekts

Erste Video-Präsentation der tell-Idee (Illustrationen von floriversum)

Noch während meines Praktikums bei Mediamatic erreichte mich das Angebot, bei einer Art Theater-Projekt in Mannheim mitzuarbeiten. Initiator war Marc Reisner, der an der Hochschule Mannheim den “sinnvollen Einsatz neuer Medien im Bühnenbild” lehrt. Er hatte ein Projekt im Sinn, das Bühne, Film und Echtzeit-Computer-Systeme verknüpfen sollte. Während normalerweise Videos auf der Bühne nur unterstützend eingesetzt werden, sollte dieses Mal der Film die Handlung tragen.

tell: Leif als Actionheld

Die Welt dieser Zukunft ist technologisch hoch entwickelt, so dass es möglich ist, fotorealistische Computerspiele, Simulationen genannt, zu schaffen. Da es kaum mehr Kommunikationskanäle gibt, ist diese virtuelle Umgebung ein tauglicher Ersatz für die eher reizarm gewordene Realität. Um diesen Anspruch glaubwürdig darstellen zu können, mussten zuvor aufwendige Filmabschnitte und Computeranimationen produziert werden.

tell: IPFX Software

Während der Vorstellung wird die Realwelt der Bühne live in die Filme eingebunden, wobei ein Computer mustererkennungsbasierte Effekte in Echtzeit errechnet. Informatiker der CVGPR-Group an der Uni Mannheim entwickelten dazu in enger Kooperation eine spezielle Software.

Technisch wie inhaltlich wecken die Themen bei mir enorme Aufmerksamkeit und Neugier, weil sie sich mit utopischen Gesellschaften und (medien)technischen Zukunftsfantasien beschäfigen. Im Projekt-Management (crew) war ich u.a. für die Aufnahmeleitung bei den Dreharbeiten zuständig, an der Antragstellung für die Filmförderung, dem Sponsoring und an der Öffentlichkeitsarbeit beteiligt. Kommunikation also umfassend und nicht nur aus der Gestalter-Perspektive.

Nach mehreren Monaten intensiver und intensivster Arbeit (24 Drehtage) in Deutschland und Luxemburg hatte tell am 7. Mai 2005 nun seine erfolgreiche Premiere im Atlantis-Kino Mannheim. Es wurde anschließend bei den Schillertagen 2005 (Vorsicht Freiheit!) gezeigt und läuft nun am Nationaltheater Mannheim. Außerdem war es im Mai 2006 im Grand Theatre de la Ville de Luxembourg zu sehen.

Artikel in der Bühnentechnischen Rundschau

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